Warum schreibe ich historische Kriminalromane über deutsche Auswanderer?

Aktualisiert: vor 3 Tagen

Krimis über deutsche Siedler in der Prärie lassen uns in eine bemerkenswerte Welt eintauchen

Das Leben deutscher Einwanderer in den nordamerikanischen Präriestaaten beschäftigt mich seit Mitte der 1990er Jahre. Damals heiratete ich eine Amerikanerin, die in South Dakota geboren war, und wir lebten eine Zeitlang selbst mitten in der Prärie. Allerdings hielten wir die Wetterextreme und die Einsamkeit dort nicht aus und zogen wieder fort.


Ich habe mir seitdem viele Gedanken darüber gemacht, wie sehr die Siedler um 1880 motiviert gewesen sein mussten, um diese Lebensbedingungen auf sich zu nehmen. Die ungewohnt heißen Sommer, die schneereichen und bitterkalten Winter sowie das einsame Leben mitten auf ihren Feldern waren für sie offenbar immer noch besser, als das Leben in Abhängigkeit, dem sie entflohen waren. Die Verlockung eines freien Lebens auf eigenem Land war ohne Zweifel der Antrieb dafür, dass sie sich durch nichts unterkriegen ließen.



Die Großeltern meiner damaligen Frau hatten ihr ganzes Leben in South Dakota verbracht. Die beiden waren um 1910 geboren und hatten direkten Kontakt mit der Zeit, in der die ersten beiden Bände meiner Krimi-Reihe handeln. Die Großmutter lebte als Kind in einer aus Grasblöcken gebauten Hütte, so wie die Siedler in meinen Büchern. Der Großvater stammte aus einer deutschen Einwandererfamilie, sein Vater und sein Onkel sprachen untereinander Deutsch. Die plattdeutschen Sätze, an die sich der Großvater noch erinnern konnte, stellten eine lebende Verbindung zu der Zeit der Siedler dar.


Über die Jahre habe ich dann unzählige amerikanische und kanadische Bücher über das Leben der Einwanderer gelesen und Museen zu diesem Thema besucht. Obwohl die Personen und Ereignisse meiner beiden ersten Kriminalromane, "Hoffnung ist ein weites Feld" und "Man erntet, was man sät" erfunden sind, ist es mir sehr wichtig, den historischen Hintergrund und das Leben der Einwanderer richtig darzustellen.


Die Hauptfiguren der Krimi-Reihe, die Mitglieder der Familie Sievers, sind wie ich aus Mecklenburg nach Amerika ausgewandert. Über die Verhältnisse in Mecklenburg zu jener Zeit habe ich schon als Kind gelesen und ich wusste auch, dass viele Mecklenburger nach Amerika ausgewandert waren. Dass auch Zehntausende Russlanddeutsche ins Dakota-Gebiet gingen und erst Amerikadeutsche und dann Amerikaner bzw. Kanadier wurden, gehörte jedoch zu jenen Dingen, die ich erst im Laufe der Recherche erfuhr und die mich seitdem nicht mehr losgelassen haben.


Band 3 meiner Krimi-Reihe ist ein Ausflug in die Stadt

Als dritter Band erschien der Kriminalroman "Mit Müh und Not". Hintergrund dieses Krimis ist der Kampf um die Einführung des Achtstundentages und die sogenannte Haymarket Riot. Dieser Krimi ist weitgehend auf wahre Ereignisse aufgebaut.


Chicago war das Zentrum der 8-Stundentag-Bewegung und hier fand 1886 die erste 1. Mai-Demonstration mit 80.000 Teilnehmern statt. An deren Spitze marschierten die Mitglieder der anarchistischen Internationalen Arbeiter-Assoziation in Chicago, die hier die führende Rolle im Kampf für bessere Arbeits- und Lebensbedingungen übernommen hatten.


Als drei Tage später, am 4. Mai 1886, eine Bombe auf einer Kundgebung der Anarchisten am Haymarket explodierte und in der Folge sieben Polizisten und eine unbekannte Zahl Arbeiter starben, sahen das Großkapital und die in seinem Interesse arbeitende Justiz die Gelegenheit gekommen, der Arbeiterbewegung einen vernichtenden Schlag zu versetzen.


In diesem Band treffen wir mehrere Figuren aus Band 1 & 2 der Reihe wieder: Die Brüder Jack und Bob Hunhoff, zwei ehemalige Polizisten aus Chicago, die jetzt im Dakota-Gebiet leben, kehren an ihre alte Wirkungsstätte zurück, um durch eigene Ermittlungen die Freilassung ihres Freundes Andreas Brenner zu erreichen, der nach dem Anschlag verhaftet wurde.



Die Histo-Couch schreibt zum Abschluss ihrer Rezension: "Bleibt zu hoffen, dass dieses tolle Projekt fortgesetzt werden kann, denn es bereichert die Landschaft der historischen Romane ungemein."


Der nächste historische Kriminalroman ist in Arbeit

Ja, diese Reihe wird, wie versprochen fortgesetzt. Band 4 wird wieder in der Prärie handeln und wir treffen alte bekannte aus den ersten drei Bänden wieder. Bob Hunhoff wird in einem Mordfall beschuldigt und sein Bruder Jack muss den Mord aufklären, um ihn vor dem Henker zu retten. Ich hoffe dieses Buch im nächsten Jahr fertig zu haben.


Mit meinen Krimis möchte ich deshalb nicht nur spannende Unterhaltung bieten, sondern mit euch, liebe Leser, in eine Welt eintauchen, die in der deutschen Belletristik bisher kaum Beachtung fand. Ich denke, historische Kriminalromane eignen sich ganz hervorragend für dieses Thema.


Historische Romane, die mich inspirieren

Zum Abschluss möchte ich noch drei Bücher nennen, die mich beim Schreiben inspirieren. Dabei handelt es sich zwar nicht um historische Kriminalromane, aber die Themen Auswandern und Neuanfang sind ganz zentral in diesen Romanen:


Der Dschungel von Upton Sinclair lässt uns in die Welt litauischer Einwanderer in Chicago eintauchen und setzt sich mit Armut, Ausbeutung und Verzweiflung auseinander. Dieser Roman schlug bei seinem Erscheinen im Jahr 1906 hohe Wellen, insbesondere durch die Darstellung der unmenschlichen und unhygienischen Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie.


Der Roman Der Drescher von Herbert Krause ist ein wunderbares Buch, das 1946 in den USA und 1950 in großer Auflage als deutsche Übersetzung erschien und deshalb recht günstig als gebrauchte Ausgabe zu finden ist. Wir erleben, wie Johnny Schwartz nach dem Tod seiner Mutter bei seinem Onkel in Minnesota im Kreise deutscher Einwanderer aufwächst und wie er als junger Mann davon besessen ist, eine Dreschmaschine zu besitzen. Wer dieses Buch einmal gelesen hat, wird es nicht vergessen.


Genauso geht es mir mit dem 1925 veröffentlichten Roman Settlers in the Marsh des kanadischen Autors Frederick Philip Grove, bei dem es sich in Wirklichkeit um den deutschen Autor Felix Paul Greve handelt, der 1909 in Deutschland seinen Selbstmord vorgetäuscht hatte, um dann ab 1922 unter neuer Identität in Kanada zu publizieren. Das Leben des Schriftstellers würde also ausreichend Stoff für einen Kriminalroman bieten und auch in Settlers in the Marsh, der vom harten Leben der Bauern im nördlichen Manitoba und dem psychologischen Preis den sie zahlen handelt, gibt es einen Mord.


Was historische Kriminalromane betrifft, haben mir die Gereon Rath-Krimis von Volker Kutscher und die Trümmermörder-Reihe von Cay Rademacher sehr gut gefallen.