In der Höhle des Löwen

Unabhängige Buchhandlungen in den USA überleben trotz Amazon und fehlender Buchpreisbindung.

Zunächst sah es so aus, als würde der Online-Riese Amazon den traditionellen Buchhandel in den USA ruinieren, insbesondere als er 2011 die große Buchhandelskette Borders in die Pleite trieb. Doch durch die nun fehlende Konkurrenz ergaben sich vielerorts neue Chancen, kleinere Buchläden zu betreiben. Die Zahl der unabhängigen Buchhandlungen in den USA ist daher von 1.651 Läden im Jahr 2009 auf 2.470 im Jahr 2018 gestiegen.


Auch mehrere bekannte Schriftsteller haben in den letzten Jahren Buchhandlungen eröffnet, unter ihnen Louise Erdrich in Minneapolis, Ann Patchett in Nashville, Jeff Kinney in Plainville (Massachusetts), Judy Blume in Key West und Emma Straub in Brooklyn.


Die kleinen Buchgeschäfte haben in der Regel eine sehr loyale Kundschaft. Zahlreiche Lesungen, Lesegruppen zu verschiedenen Interessenbereichen und oft auch ein angeschlossenes Café bringen viele Menschen in die Läden. Manche Buchhandlungen experimentieren auch mit der Hinzunahme von preiswerten antiquarischen Büchern sowie mit Serviceleistungen für Leute, die selbst verlegen.


Der Buchhandelskette Barnes & Noble, mit derzeit 627 Filialen, hat der Niedergang des ehemaligen Hauptkonkurrenten Borders ebenfalls geholfen, weiter am Leben zu bleiben. Bei Barnes & Noble ziehen eine große Kinderbuchabteilung mit vielen Vorleseveranstaltungen und ein integriertes Starbucks-Café zuverlässig die Kunden an. Und Amazon ist den letzten Jahren ebenfalls auf den Geschmack gekommen und hat mittlerweile um die zwanzig eigene Buchläden eröffnet, beispielsweise in Seattle, Chicago und New York.


Dieser Text stammt aus: USA 151. Das Land der unbegrenzten Überraschungen in 151 Momentaufnahmen